Bachelor-Studiengang »Soziale Arbeit und Pädagogik der Kindheit«



Module Wintersemester 2009/2010

Die Lektüre - zumindest ausgewählter Beiträge - der angegebenen Literatur ist unabdingbar zur Erreichung der Lernziele. Sie wird großteils im Seminar angestoßen, begleitet, vertieft und auf aktuelle Themen mit Blick auf Schlüsselkompetenzen bezogen (1. Bewusstsein von Vorverständnis und Verständnis, Geltungsansprüchen und -grenzen, 2. Analyse- und Reflexionsfähigkeit, 3. Methodenbeherrschung, 4. System- und Syntheseverständnis, 5. Transferfähigkeit im Sinne der Urteilskraft per Habitusbildung). Das Regelkreismodell des Projektkonzeptes (vgl. Kraimer 2006) wird mit Blick auf die Regelkreisfähigkeit (als Anwendung des Prinzips auf den Einzelfall und als Revision des Prinzips durch allgemeine 'Gesetze', die durch den Einzelfall hindurch wirken) für realitätshaltige Ziele und Erwartungen der Praxis (Employability) genutzt.

Literatur

Deutscher Verein für Öffentliche und private Fürsorge (Hg.) (2007): Fachlexikon der sozialen Arbeit. 6. völlig überarb. und aktualisierte Aufl., Baden-Baden.

Kraimer, K. (2006): Durch Projekte lernen. Ein Modell für wünschenswerte Lösungen. In: Blätter der Wohlfahrtspflege. 153. Jg., S. 61-63.

Kraimer, K. (2007): Glossar. Saarbrücken.




»Einführung in die Soziale Arbeit (Vorlesung)« (Kraimer)

Soziale Arbeit beinhaltet die Berufe, die herkömmlich als Sozialarbeit und Sozialpädagogik bezeichnet werden. Während sich die Sozialarbeit aus der Tradition der Fürsorge entwickelt hat und als Systematisierung und Professionalisierung von Hilfe verstanden werden kann, stammt die Sozialpädagogik aus der Tradition der Systematisierung der Erziehung, die als gesellschaftliche Tatsache in einer konkreten Gesellschaft vorkommt. Der Sache nach sind beide Traditionen Reaktionen auf soziale Probleme und erzieherische Notstände, die sich vielfach wechselseitig bedingen. Die beruflichen Tätigkeitsfelder sind traditionell für die Sozialpädagogik in den Institutionen der Erziehung und Bildung (u. a. Hort, Kindergarten, Schule sowie der Kinder- und Jugendhilfe), die der Sozialarbeit in denen der Armuts-, Arbeits-, Jugend-, Sozial- und Gesundheitshilfen begründet.

Soziale Arbeit ist als Profession (dies ist die Bezeichnung für einen höheren Beruf, der ein Studium voraussetzt) darauf gerichtet, Menschen in ihrer Lebensbewältigung und in Krisen zu unterstützen. Die Disziplin (Wissenschaft) der Sozialen Arbeit lässt mit Hilfe der Sozialarbeitsforschung Schlüsse darauf zu, wie die Lebensbewältigung (bzw. wie eine Krise generell und individuell) verläuft, wie deren Bedingungsgefüge im gesellschaftlichen Kontext ist und wie sie erlebt und verarbeitet werden kann. Dazu werden Methoden der empirischen Sozialforschung eingesetzt, um den Untersuchungsgegenstand - Mensch und Gesellschaft - zu erfassen. Resultate der Forschung verbinden sich mit der konstruktiven Kritik des Gegebenen im Horizont möglicher Veränderungsoptionen. Es geht darum, gesellschaftliche Verhältnisse zu verstehen und verbessern zu helfen.

In dieser Einführung wird ein Überblick über Aufgaben der Profession, der Disziplin und der Empirie Sozialer Arbeit gegeben. Damit verbunden ist die Einführung in eine philosophisch inspirierte Soziale Arbeit, die eine empirische Grundlage hat und auf ethischen Prinzipien aufbaut. Am Beispiel der Philosophie Platons sollen Einsichten ermöglicht werden, die als sokratische Ideen in die Erfahrungswissenschaft eingegangen sind. Dazu liegt ein Studienbrief vor, der sowohl in der Vorlesung als auch in den Proseminaren die erste Grundlegung bildet, die in den späteren Modulen des Studiengangs und in weiteren Studienbriefen vertieft wird. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Anforderungen des Bolgona-Prozesses (vgl. www.hrk.de) der vor allem im Zeichen der Mobilität (auch der geistigen), der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigungsfähigkeit (employability) steht.




»Einführung in die Soziale Arbeit (Proseminar)« (Giesemann M. A.)

Mit Bezug auf die Vorlesung werden Texte er- und bearbeitet. Die Textproduktion und -interpretation folgt der Projektmethode1. Das Lernen ist so konzipiert, dass der Arbeitsaufwand (Workload) durch Selbsttätigkeit bestimmt ist. Eine Grundlage bilden die Protokolle aus der Vorlesung, die von den Studierenden vorgetragen und mit Blick auf die Themen der Begleittexte vertieft werden. Diese bilden weitere Grundlagen. Aus diesen Lerneinheiten ergeben sich die Lernergebnisse (Learning Outcomes) und die Kompetenzen, die das wichtigste Ziel des Studiums sind, wenn sie in einen Habitus, der im Studium erworben wird (als gewohnheitsmäßig rationale Sicht) integriert werden. Studienbrief 1: Höhlengleichnis . Bitte ebenfalls das Glossar beachten.

Literatur

Kraimer, Klaus (2006): Das Projektkonzept. Ein Modell für wünschenswerte Lösungen. In: Blätter der Wohlfahrtspflege. Deutsche Zeitschrift für Sozialarbeit. Thole, Werner (Hg.) (2005): Grundriss Soziale Arbeit. Ein einführendes Handbuch, Wiesbaden.



»Bachelorcolloquium« (Kraimer)

Im Rahmen der Veranstaltung stehen folgende Themen in Rede, die vor dem Hintergrund der Anforderungen des Bolgona-Prozesses zu sehen sind, (vgl. www.hrk.de) der vor allem im Zeichen der Mobilität (auch der geistigen), der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigungsfähigkeit (employability) steht.

1.Wahl des Themas, Bezüge zum Fall und zur Theorie:
Vom Vor-Fall zum Fall
Lernziel: Erkennen, was die Themenstellung bedeutet und was der Fall ist, der in der Bachelor-Arbeit im Zentrum steht

2.Das Thema, der Fall, die Empirie, die Theorie
Von der Fallbestimmung zur Fallerhebung bzw. der Erhebung relevanter Texte
Lernziel: Erkennen, wie der Fall aufgerollt/erhoben wird und worauf es ankommt in der nächsten Zeit

3.Theoretische Grundlagen
Lernziel: Erkennen, warum der Fall theoretisch inspiriert sein soll

Weitere Themen:
Techniken und Methoden der Literaturbeschaffung und -verarbeitung, Sichtung und Auswertung relevanten Textmaterials.
Schreibwerkstatt: Wie formuliere ich was?
Textwerkstatt: Wie bringe ich das Formulierte in Form?
Zeitwerkstatt: Wie schaffe ich das Programm bis zum Termin der Abgabe?
Lernziele: Erkennen, warum die Literatur so wesentlich ist für die Bearbeitung des Themas, wie man sie beschafft und verarbeitet! Wie man zu eigenen Ergebnissen kommt und diese formuliert und formatiert.



»Professionelles Handeln« (Kraimer)

Soziale Arbeit ist auf Professionalisierung verwiesen, um eine Praxis sachhaltig und begründet zu bilden. Das Erlernen der Operation des Verstehens ist (mit Hilfe der Disziplin) unabdingbar, weil es prinzipiell darum geht, die Autonomie der Lebenspraxis durch Aufforderung zur Selbsttätigkeit mit dem Ziel der Mündigkeit zu fördern. Ein Professionsmodell ermöglicht die Einsicht in die Professionalisierungsbedürftigkeit (vgl. Kraimer 2004, 2007, 2009). Diese wird über Konzepte (u. a. von Thiersch, Oevermann, Schütze) theorie- und handlungsbezogen vermittelt: Zentrale Probleme/Krisen sind vom Prinzip her zu reflektieren und auf die professionelle Handlungslogik zu beziehen. Die Lektüre der zugrundeliegenden Literatur wird zur Erreichung der Lernziele bezogen auf: 1. Bewusstsein von Vorverständnis und Verständnis, Geltungsansprüchen und -grenzen, 2. Analyse- und Reflexionsfähigkeit, 3. Methodenbeherrschung, 4. System- und Syntheseverständnis, 5. Transferfähigkeit. Das zugrundeliegende Projektkonzept (vgl. Kraimer 2006) ist auf den Erwerb von Schlüsselkompetenzen durch Regelkreisfähigkeit auf Ziele der professionellen Praxis (employability) bezogen. Dies dient der Habitus-Bildung, um einem Falsch-Verstehen das Fall-Verstehen entgegen zu setzen, das dazu befähigt, der Logik der stellvertretenden Krisenbewältigung zu folgen, das Prinzip der Lebensweltorienierung zu beachten und die Paradoxien professionellen Handelns zu sehen und auszuhalten. Dies gilt insbesondere vor dem Hintergrund der Anforderungen des Bolgona-Prozesses (vgl. www.hrk.de) der vor allem im Zeichen der Mobilität (auch der geistigen), der internationalen Wettbewerbsfähigkeit und der Beschäftigungsfähigkeit (employability) steht.

Literatur

Kraimer, Klaus (2004): Mündigkeit im Fadenkreuz einer fallrekonstruktiven sozialpädagogischen Diagnostik oder: Das »Einleben« des hermeneutischen Fallverstehens in die Praxis der Jugendhilfe. In: Schrapper, Christian (Hg.): Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen in der Jugendhilfe. Weinheim und München.

Kraimer, Klaus (2006): Das Projektkonzept. Ein Modell für wünschenswerte Lösungen. In: Blätter der Wohlfahrtspflege. Deutsche Zeitschrift für Sozialarbeit.

Kraimer Klaus (2007): Stichworte »Fallverstehen« und »Professionalisierung«. In: Fachlexikon der sozialen Arbeit. Deutscher Verein für öffentliche und private Fürsorge (Hg.). Frankfurt am Main, S. 311 f. u. S. 729-731.

Kraimer, Klaus (2009): Soziale Arbeit im Modus autonomer Krisenbewältigung. Überlegungen im Anschluss an modellbildende Paradigmen zur Professionalisierung. In: Becker-Lenz, Roland et al. (Hg.): Professionalisierung und Professionalität in der sozialen Arbeit. Standpunkte - Kontroversen - Perspektiven. Wiesbaden.



»Qualitative Forschung« (Kraimer)

Qualitative Forschung hat in der Sozialen Arbeit einen zentralen Stellenwert. Sie fördert das Verständnis des Sozialen. Qualitäten des menschlichen Zusammenlebens und Organisationsweisen des (alltäglichen) Lebens lassen sich methodisch kontrolliert erkennen. Das Seminar ist so aufgebaut, dass die Neugier auf Forschung durch Theorie- und Felderlebnisse mit Hilfe von Texten und Feldstudien gespeist und aufrechterhalten wird. Die Lektüre ausgewählter Quellen und forschungspraktischer Materialien (z. B. Roland Girtler, Methoden der Feldforschung, Wien u. a. 2001, aktuelle Ergebnisse der qualitativen Forschung) soll dies unterstützen.

Themen sind u. a.:
1.Geschichte der Qualitativen Forschung
2.Theorien der Qualitativen Forschung
3.Methodologien und Methoden der Qualitativen Forschung
4.Ethische Grundfragen

Im Anschluss an die Vermittlung der grundlegenden Themen der Qualitativen Forschung erfolgt die Einführung in und die Begleitung eines eigenständigen Forschungsprojektes, das durch die Studierenden erfolgt. Dieses wird z. B. in der Logik der Methodologie der Grounded Theory oder der der Fallrekonstruktion durchgeführt. Es kommen verschiedene Methoden (z. B. Beobachtung, Befragung, Gruppendiskussion, Experiment) zur Anwendung, von denen mindestens jeweils zwei in einem konkreten Projekt realisiert werden müssen, welches zum Abschluss dieses Moduls - schriftlich fixiert in Form eines Projektberichtes - vorgelegt wird.

Literatur

Bohnsack, Ralf u. a. (Hg.) (2007): Hauptbegriffe Qualitativer Sozialforschung, Opladen.

Friebertshäuser, Barbara/Prengel, Annedore (2009): Handbuch qualitative Forschungsmethoden in der Erziehungswissenschaft, Weinheim und München.

Girtler, Roland (2001): Methoden der Feldforschung. Wien u. a.

König, Eckard/Zedler, Peter (Hg.) (2001): Qualitative Forschung, Weinheim und Basel.

Kraimer, Klaus (Hg.) (2000): Die Fallrekonstruktion. Sinnverstehen in der sozialwissenschaftlichen Forschung, Frankfurt am Main.

Miethe, Ingrid/Bock, Karin (Hg.) (2009): Qualitative Forschung in der Sozialen Arbeit.



»Studienprojekt« (Kraimer)

In dem Studienprojekt wird die Arbeit des vergangenen Semesters vorangetrieben. Es beginnt mit der Optimierung der Projekte und deren Darstellung in einer PowerPoint gestützten Präsentation. Die Lernziele des Studienprojektes liegen weiterhin darin, Fach-, Handlungs- und Selbstkompetenz unter Beweis zu stellen. Ziel ist die eigenständige Verfeinerung und systematische Ausarbeitung der geleisteten Arbeit mit Blick auf die abschließende Konzeptentwicklung, die den Anforderungen einer professionellen Sozialen Arbeit Rechnung zu tragen hat (im Sinne der Beschäftigungsfähigkeit).1 Alle Projekte werden auf den neuen Stand des Wissens gebracht, das in der vorlesungsfreien Zeit Gegenstand des Studiums ist. Von großer Bedeutung ist die Anforderung an die Studierenden, die veränderten gesellschaftlichen Sachverhalte für die Soziale Arbeit über die Phasen des Alterns zu realisieren. So ist z. B. Kindheit als soziale Figuration im Kontext des Verhältnisses von Abhängigkeit und Autonomie zu sehen. In ihrer emanzipatorischen Weise hat die Profession die Aufgabe, Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen eine selbstbestimmte Lebensform zu ermöglichen und gegen den aktuell verbreiteten Autoritatismus, Konformitätsdruck und Erziehungstyrannei zu schützen. Stichworte sind hier Bildung und Subjektwerdung, nicht aber Anpassung und Objektwerdung. Zu berücksichtigen ist z. B. die Normalisierung postadoleszenter Lebensformen; Beispiele liegen in der wachsenden Zahl der Nesthocker und Boomerang-Kids in dem Arrangement eines »intelligenten Lebens jenseits einer Festanstellung« oder in der Tatsache der Ablösung von linearen Statuspassagen zu Yoyo-Übergängen in eine neue Entwicklungsphase des emerging adulthood im Zuge eines doing gender. Hier gilt es, überkommene Klischees sichtbar werden zu lassen und darüber hinaus die veränderten Möglichkeiten auszuloten. Neue Optionen lassen sich als evidenzbasierte Soziale Arbeit (in Disziplin, Profession und Politik) und z. B. im Sinne einer diversitätsbewussten Praxis im Zuge der Diskussion subjektiven Handlungsmächtigkeit (agency) und im Blick auf Agent-Theorien verstehen, die sich auf soziale Prozesse beziehen, um die Handlungskompetenzen von Klienten zu stärken (vgl. auch Weltentwicklungsbericht 2006). Ins Werk zu setzen gilt der Anspruch, den Menschen von Anfang bis zum Ende - um mit Simone de Beauvoir zu sprechen - als Mensch zu behandeln. Die Textgrundlage bilden die sechs Sammelbände der Reihe »Lebensalter und Soziale Arbeit« (Hg. von Hans Günther Homfeldt und Jörgen Schulze-Krüdener, 2009, Schneider Verlag Hohengehren) in denen alle Groß-Phasen des menschlichen Lebens im Lichte derzeit greifbaren Wissens aus der Disziplin thematisiert werden und mit dem Können der Profession der Sozialen Arbeit einschließlich der Thematisierung wünschenswerter Ergänzungen für künftige Herausforderungen in Beziehung stehen.



»Übersicht der Studienbriefe«

Studienbrief 1: Höhlengleichnis - (2008, 8 Seiten)

Studienbrief 2: Die Methode der Maieutik in Gespräch und Erzählung - (2008, 18 Seiten)

Studienbrief 3: Narratives als Erkenntnisquelle - (2008, 18 Seiten)

Studienbrief 4: Soziale Arbeit im Modus der autonomen Krisenbewältigung - (2008, 20 Seiten)

Studienbrief 5: Erziehung und Bildung - (2008, 37 Seiten)

Studienbrief 6: Erziehungskonzepte und -methoden für Jugendliche in Krisen - (2008, 55 Seiten)

Studienbrief 7: Objektive Hermeneutik - (2008, 19 Seiten)

Studienbrief 8: Dokumentenanalyse - (2009, 9 Seiten)

Studienbrief 9: Devianzpädagogik I - (2009, 22 Seiten)

Studienbrief 10: Devianzpädagogik II - (2009, 13 Seiten)

Studienbrief 11: Devianzpädagogik III - (2009, 40 Seiten)

Studienbrief 12: Qualitative Methoden der empirischen Sozialforschung - (erscheint voraussichtlich 11/2009)

Studienbrief 13: Über Pädagogik - (2009, 10 Seiten)

Studienbrief 14: Fotos als Zeigefinger des Sozialen. - (2009, 16 S.)