Forschungswerkstatt zur Sozialforschung
Die Forschungswerkstatt in der Sozialen Arbeit
Studierende, Novizen und Vertreter der »professionellen Praxis« erhalten in der Forschungswerkstatt die Gelegenheit, »Fälle« in einer »Interpretationsgemeinschaft« nach den Regeln der Fallrekonstruktion in der Sozialen Arbeit unter wissenschaftlicher Leitung zu bearbeiten. Das charakteristische Merkmal für die Forschungswerkstatt in der Sozialen Arbeit ist die prinzipien- und regelgeleitete Rekonstruktion von Fallmaterial (z. B. Akten, Beobachtungs- oder Interaktionsprotokolle, Dokumente, Fotografien, Interviews und Gruppendiskussionen) aus dem gesamten Handlungsspektrum der Sozialen Arbeit z. B. Beratung, Kinder- und Jugendhilfe, Jugendarbeit, Erwachsenenbildung, Gemeinwesenarbeit, Altenarbeit, Drogen- und Obdachlosenhilfe sowie Migration klinische oder ehrenamtliche Soziale Arbeit, Pflege, Organisation und Evaluation, interkulturelles Lernen oder Pädagogik der Unterdrückten.
Das Verfahren der Fallrekonstruktion in der Sozialen Arbeit stellt eine systematische Vorgehensweise dar, nach welcher relevantes Ausdrucksmaterial auf seine »Strukturlogik« hin untersucht werden kann. Auf diese Weise werden in der Forschungswerkstatt »Strukturierungsgesetzlichkeiten« aufgedeckt, die den jeweils untersuchten Fall determinieren. So wird ein Muster erkennbar, das den Fall in seiner Geschichte als sinnlogische Entscheidungs- und Begründungsstruktur kennzeichnet. Angestrebt wird die
Vorbildung eines professionellen Habitus (Studierende),
Ausgestaltung eines professionellen Habitus (Profession),
Bildung durch Theorieentwicklung (Disziplin).
Die Fallrekonstruktion wird - in scharfem Gegensatz zur Praxis - handlungsentlastet durchgeführt, d. h. vor allem ohne Verwertbarkeitserwartungen. Das Ziel ist es, die Einsicht in und durch gründliche Fallrekonstruktionen sowie eine in Daten gegründete Theoriebildung zu erzeugen. Ein grundlegendes Verständnis sozialer Zusammenhänge wird durch die Einübung in die sequenzielle Rekonstruktion sozialer Zusammenhänge ermöglicht, die mit einer bedingungslosen Aufdeckung etwa von Ideologien und Illusionen einhergeht.
Literaturhinweise:
Als Vorbereitung auf die Forschungswerkstatt gilt mein Text zu »Form&Stoff der Fallrekonstruktion« (2007).Kraimer, K. (2007): 'Form&Stoff' der Fallrekonstruktion. In: Giebeler, C. u.a. (Hg.): Fallverstehen und Fallstudien interdisziplinäre Beiträge zur rekonstruktiven Sozialarbeitsforschung. Opladen & Farmington Hills, S. 35-52.
Kraimer, K. (1998): Sozialpädagogisches Fallverstehen, Forschungswerkstatt, professionelles Handeln. In: Archiv für Wissenschaft und Praxis der sozialen Arbeit, 29. Jg., Heft 3, S. 170 -189.
Kraimer, K. (2000): Die Fallrekonstruktion - Bezüge, Konzepte, Perspektiven. In: Ders. (Hg.): Die Fallrekonstruktion. Sinnverstehen in der sozialwissenschaftlichen Forschung. Frankfurt a. M. 2000, S. 23-57.
Oevermann, U. (2000): Die Methode der Fallrekonstruktion in der Grundlagenforschung sowie der klinischen und pädagogischen Praxis. In: Kraimer, K. (Hg.): Die Fallrekonstruktion, a. a. O. , S. 58-156.
Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken/Berner Fachhochschule Soziale Arbeit
Eine Forschungswerkstatt findet im Rahmen des ERASMUS Programms in Kooperation der Fachhochschule Bern, Schweiz und der HTW des Saarlandes, Deutschland in Bern vom 7.-9.11.2008 statt. Eine Annmeldung ist erforderlich. Das Auswahlverfahren wird bekannt gegeben.
Hochschule für Technik und Wirtschaft Saarbrücken/Berner Fachhochschule Soziale Arbeit
Dozentenaustausch:
Prof. Nina Wyssen-Kaufmann (BFH), Prof. Dr. Klaus Kraimer (FH Saarbrücken) und Studentenaustausch: Vier Studenten aus Saarbrücken
Ziele:
- Forschungswerkstatt nach Schütze im internationalen Dozenden- und Studentenaustausch
- Vorbereitung einer allfälligen Kooperationsvereinbarung im Rahmen des Erasmusprogramms durch Prof. Dr. Klaus Kühne (Ressort Internationales BFH)
