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Lektüre für das Sommersemester 2007
Behnisch, M. (2005): Pädagogische Beziehung. Zur Funktion und Verwendungslogik eines Topos der Jugendhilfe. Würzburg.
Behnisch unternimmt in seiner Dissertation den Versuch den Gegenstand der pädagogischen Beziehung für den Diskurs im Kontext der Jugendhilfe zu erschließen.
Rätz-Heinisch, R. ( 2005): Gelingende Jugendhilfe bei »aussichtslosen Fällen«. Biographische Rekonstruktionen von Lebensgeschichten junger Menschen. Würzburg.
Die Autorin legt eine bigraphische Fallrekonstruktion anhand von Fällen aus den Hilfen zur Erziehung vor. Sie zeigt drei ausführliche Fallrekonstruktionen von Lebensgeschichten junger Menschen auf. Den Hilfeprozeß rekonstruiert sie als dialogisches Passungsverhältnis und zeigt wesentliche Bedingungen eines gelingenden Hilfeprozesses auf.
Becker, N. (2006): Die neurowissenschaftliche Herausforderung der Pädagogik. Bad Heilbrunn.
In dieser Dissertation wird das Verhältnis von Neurowissenschaften und Pädagogik mit Blick auf Printmedien, Ratgeberliteratur ("hirngerechtes Lernen") und in der erziehungswissenschaftlichen Literatur. Das Buch enthält eine Bilanz der Diskussion als kritische Bestandsaufnahme.
Vogel, C. (2006): Schulsozialarbeit. Eine institutionsanalytische Untersuchung von Kommunikation und Kooperation. Wiesbaden.
Die Einzelfallstudie aus der Schweiz enthält Befunde zu den Grundspannungen von Schule und Sozialarbeit die auf der Grundlage von Interaktionsprotokollen gewonnen wurden.
Merkens, H. (2006): Pädagogische Institutionen. Pädagogisches Handeln im Spannungsfeld von Individualisierung und Organisation. Wiesbaden.
Merkens zeigt die Organisationslogik pädagogischen Handelns in verschiedenen Institutionen der Kinder- und Jugendhilfe (z. B. Kindergarten, Jugendamt) auf. Zudem werden soziologische und betriebswirtschaftliche Organisationstheorien auf ihre Relevanz für die Pädagogik befragt.
Beck, U. (Hg.) (2004): Entgrenzung und Entscheidung. Frankfurt/Main.
In diesem Sammelband wird die Frage nach der Notwendigkeit einer neuen Handlungs- und Entscheidungslogik moderner Institutionen westlicher Industriegesellschaften diskutiert. Die Theorie reflexiver Modernisierung ist einer der Fixpunkte.
Fuchs, M./Luedtke, J. (Hg.) (2003): Devianz. Opladen.
Der Sammelband theamatisiert Devianzphänomene in der Moderne. Beispiele sind Gewalt und Gewaltbereitschaft, Drogen. Dies geschieht vor dem Hintergrund der sogenannten Individualisierung und einer zunehmenden gesellschaftlichen Regulierungsdichte. Auch werden ethische Themen und Fragen des Datenschutzes und der Freiheitsrechte behandelt.
Wetzel, T. (2005): Geregelte Grenzüberschreitung. Das Spiel in der ästhetischen Bildung. München.
Das faszinierende Thema ›Spiel‹ wird in dem Werk phänomenologisch und geschichtlich rekonstruiert. Im Mittelpunkt stehen die moderne Ästhetik und die ›Spielplätze des Ästhetischen‹. Die ästhetische Inszenierung des Spiels folgt dem Modell einer ›geregelten Grenzüberschreitung‹. Das Buch bietet einen gelungenen Überblick über das Spiel als Aneignung des Sozialen.
Jäckel, M. (Hg.) (2005): Mediensoziologie. Grundfragen und Forschungsfelder. Wiesbaden.
In dem Sammelband wird die Verflechtung der modernen Gesellschaft mit der Realität der Massenmedien aufgezeigt. Insbesondere die Bedeutung neuer Informations- und Kommunikationstechnologien stehen im Zentrum der Beiträge.
Horster, D./ Oelkers, J. (Hg.) (2005): Pädagogik und Ethik. Wiesbaden.
Das Thema 'Ethik' ist seit der frühen Neuzeit immer wieder im Zusammenhang mit pädagogischen Fragen diskutiert worden. Dazu bietet der Sammelband einen gelungenen Überblick. Dieser richtet sich insbesondere an Personen die neben dem methodisch-didaktischen Zugang zur professionellen Vermittlung von Ethik Interesse an der moralischen Entwicklung des Kindes und an der 'Moral' der neuen Medien interessiert sind.
Lektüre für das Wintersemester 2005/2006
Schrapper, C. (Hg.) (2004): Sozialpädagogische Diagnostik und Fallverstehen in der Jugendhilfe. Anforderungen, Konzepte, Perspektiven. Weinheim und München: Juventa.
Schiffer, E. (1999): Warum Huckleberry Finn nicht süchtig wurde. Anstiftung gegen Sucht und Selbstzerstörung bei Kinder und Jugendlichen. Weinheim und Basel: Beltz.
Geulen, D./Veith, H. (Hg.) (2004): Sozialisationstheorie interdisziplinär. Aktuelle Perspektiven. Stuttgart: Lucius&Lucius.
Katzenbach, D./Steenbuck, O. (Hg.) (2000): Piaget und die Erziehungswissenschaft heute. Frankfurt/Main: Peter Lang.
Gruschka, A./Oevermann, U. (Hg.) (2004): Die Lebendigkeit der kritischen Theorie. Dokumentation der Arbeitstagung aus Anlass der 100. Geburtstages von Theodor W. Adorno. (4.-6. Juli 2003) Goethe Universität Frankfurt am Main. Wetzlar: Büchse der Pandora.
Kaschuba, W. (2004): Die Überwindung der Distanz. Zeit und Raum in der europäischen Moderne. Frankfurt/Main: S. Fischer.
Goffman, E. (2004): Stigma. Über Techniken der Bewältigung beschädigter Identität. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
Schäfer, J. (2005): Friedrich von Schiller als Pädagoge. Bochum: Brockmeyer.
PLATO, Politeia VI, 491
Die elementare Reflexion der Biopädagogik oder der Pädobiologie bezieht sich auf das Verhältnis von Anlage und Umwelt, wobei mit Anlage: »Vererbung«, »Natur« und mit Umwelt: »Kultur«, »Erziehung«, »Praxis« assoziiert werden.
»Das Einbeziehen evolutionsbiologischer Forschungen unterlag in der Psychologie und Pädagogik bis in die 70er Jahre hinein einem strengen Tabu. Die Wiederentdeckung ist trotzdem keine reine Freude. Zu oft trifft man auf Fehleinschätzungen, vor allem in der Art eines präformistischen Determinismus … Freilich gibt es viele und wünschbare Anknüpfungspunkte, die ich durchaus nicht neuen Forderungen nach Passung der Erziehung an den Entwicklungsstand der Schüler und in der dringend gebotenen Individualisierung von Unterrichtsangeboten sehe« (Ewert 1994, S. 394, zit. n. Liegle 2002, S. 5).
EWERT verweist zu Recht auf die Chancen und Risiken der Debatte um die biologischen Grundlagen der Erziehung. Ein Risiko liegt in der konstruktivistischen Denkungsart bei SCHEUNPFLUG und des naiven Naturkonzeptes; Natur wird mit der genetischen Anpassung an das Pleistozän - zu griech. pleistos ›am meisten‹ u. kainos neu; ›die jüngste Ableitung‹ - gleichgesetzt, wenn, wie auch z. B. bei HARRIS (2000) eine gen-zentrierte Sichtweise erfolgt (Nicht-Beachtung des Konstruktcharakters des Naturkonzepts). Eine Chance liegt darin, das Gehirn als Organisationsinstanz und die Ungleichzeitigkeit zwischen emotionalem Lernen und kognitiven Lernzumutungen besser zu verstehen.
Ewert, O. (1994): Menschliche Entwicklung als Wiederholung der Stammesgeschichte. In: Bildung und Erziehung, 47. Jg., S. 375-381.
Harris, J. R. (2000): Ist Erziehung sinnlos? Die Ohnmacht der Eltern. Reinbek.
Scheunpflug, A. (2001): Biologische Grundlagen des Lernens. Berlin.
Scheunpflug, A. (2001): Evolutionäre Didaktik. Unterricht aus system- und evolutionstheoretischer Perspektive. Weinheim und Basel.
Liegle, L. (2002): Ein neuer Meilenstein auf dem Weg zu einer »Biopädagogik«. Zwei Bücher von Annette Scheunpflug im Kontext der Geschichte der Rezeption biowissenschaftlicher Erkenntnisse in der Pädagogik. In: Sozialwissenschaftliche Literaturrundschau, H. 44, S. 5-27.
Aufschnaiter, C. v. (2005): Lerntheorien zwischen Neurowissenschaften und pädagogischer Psychologie. In: Pädagogik, 57. Jg., S. 52-54: Neben dem 2001 Titel von SCHEUNPFLUG werden folgende Bücher besprochen:
OECD (Hg.) (2004): Wie funktioniert das Gehirn? Auf dem Weg zu einer neuen Lernwissenschaft. Stuttgart, New York.
Spitzer, M. (2003): Lernen: Gehirnforschung und die Schule des Lebens. Heidelberg, Berlin.
Roth, G. (2003): Fühlen, Denken, Handeln. Wie das Gehirn unser Verhalten steuert. Frankfurt/Main.
Neue Bücher - kurz vorgestellt Wintersemester 2005/2006
Der Mensch als 'Text' in der globalisierten dritten Moderne
Die Globalisierungsdynamik steht aktuell im Zentrum vieler Veröffentlichungen. Die Arbeit von Christoph Wulf und Christine Merkel (Hg.): Globalisierung als Herausforderung der Erziehung. Theorien. Grundlagen, Fallstudien (Münster/New York, Waxmann 2002) soll exemplarisch im Kontext gegenwärtiger Diskurse, die in den Veranstaltungen im Wintersemester in Rede stehen, kurz vorgestellt werden. Die Gleichzeitigkeit des Ungleichen ist das zentrale Merkmal, welches Wulf hervorhebt. Zentrale Konfliktformationen (z. B. als Spannungen zwischen Globalem und Lokalem, Universalem und Singulärem, Tradition und Modernität, langfristigen und kurzfristigen Überlegungen, notwendigem Wettbewerb und Sorge für Chancengerechtigkeit, Geistigem und Materiellem) die in insgesamt 27 Beiträgen herausgearbeitet und behandelt werden, bilden die Herausforderung für eine Erziehung zur Mündigkeit im Zeitalter des Hypertextes. Dieser steht poetischen Texten gegenüber, die hier in knappen Hinweisen auf die Schriften Handkes - ebenfalls exemplarisch - benannt werden. Das 'poetische Ich' steht vor dem Anspruch, das Netz von Assoziationen, den ein Text webt, neu zu interpretieren bzw. die kulturindustriellen Hypertexte zu modifizieren, um die Texte, die den Menschen umfügen, human zu gestalten (vgl. die 'Kult'-Aufsätze in: Pias, C. u. a., Hg. Kursbuch Medienkultur. Die maßgeblichen Theorien von Brecht bis Baudrillard, Stuttgart, DVA). Günther Anders zeigt in »Die Welt als Phantom und Matritze« darin, dass wir nicht auf Fahrt gehen, da wir beliefert werden und dadurch unerfahren bleiben.
Ein Verlust primärer Erfahrung ist es, die Kinder und Jugendliche in die »Medienverwahrlosung« (Christian Pfeiffer; vgl. www.kfn.de) treibt. Aber auch Erwachsene leiden an dieser Erscheinung: Die Entwirklichung der Welt zeigt sich als Phänomen in vielen Facetten eines wachsenden Realitätsverlustes des modernen Menschen im Gewebe von Text und Beziehung auf der Suche nach sich selbst oder nach einem 'Selbst'. Vertrauen - dass dazu nötig ist in ein Gegenüber - ist vielfach zu einer hohlen Phrase verkommen. Geradezu gespenstisch ist die Tatsache der Benutzung und Entsorgung von Menschen (oder Haustieren), die der Sinnentleerung und der Sprachkrise (»nicht wirklich«) in der alltäglichen Weltorientierung entspricht. In der privaten, institutionellen und wirtschaftlichen Sphäre wird der Ruf nach 'Verantwortung' (auch dies ist oft nur noch eine Sprachhülse für die noch mühsam reklamierte aber nicht praktizierte Menschlichkeit) laut und man hofft (vgl. z. B. Handelsblatt vom 9. 5. 2005) von Kant zu lernen (vgl. meine Studieneinheit »Über Pädagogik«). Kant verlangt nicht, dass einer andere Menschen nicht für seine Zwecke benutzen soll. Dies ist sogar nötig. Aber man soll den anderen nicht als Mittel gebrauchen. Damit ist auch eine Grenze überschritten, die der Mündigkeit entgegensteht. Diese kommt durch die Erfahrung der Grenze an ein Ende - dadurch, dass es ein 'Zuviel' gibt: Ernüchterung setzt ein angesichts eines unmenschlichen Miteinanders. Bedingt durch die bittere Enttäuschung darüber, dass man auf Menschen vertraut hat, die einen verlassen oder bewusst hintergehen gerät 'der Sinn' in eine Krise.
Der Ego-Trip des Zeitgenossen, der den anderen ohne Rücksicht auf Verluste für sich inszeniert, korrespondiert mit einem Rationalitäts- und Tatsachentod - mit der Frühphase einer Schizophrenie vergleichbar. Dies Geschehen lässt sich zumindest etwas besser verstehen, wenn man Erzählungen der literarischen Moderne auf sich wirken lässt: Neben den dort agierenden Gestalten z. B. des Josef K. bei Kafka ist dies »Die linkshändige Frau« (1976. Erzählung, Suhrkamp) Handkes, die einen Zustand des Für-Sichs-Seins sucht. Die Intention des Autors, den Typ eines fiktiven Bildungsromans zu schaffen, kommt zum Tragen, wenn er zeigt, wie der beziehungs- und planlose Mensch sich verliert, aber auch wie die mit-menschliche Erzählung einer (eigenen) Geschichte zumindest möglich erscheinen lässt, zur Humanität und Gelassenheit im persönlichen Umgang zu gelangen, ohne den anderen vernichten zu wollen (erhellend und ernüchternd: Peter Handkes »Der kurze Brief zum langen Abschied« Frankfurt/Main 1972).
Auch die unmenschliche Entwicklung in weiten Teilen der Psychotherapie hängt mit solcherlei desaströsen Faktoren zusammen, die Jeffrey M. Mason beleuchtet (»Die Tyrannei der Psychotherapie«, in: Kemper, K./Lehmann, P. (Hg.): Statt Psychiatrie. Berlin 1993; 96-122. Neuauflage 2005 und »Against Therapy: Emotional Tyranny and the Myth of Pschological Healing« 1988). Neuere Veröffentlichungen, die sich gegen die Macht des Therapie-Establishments richten, sind demgegenüber rar. Kein Geheimnis bleibt, dass vielfach menschliche Beziehungen im Umfeld des Klienten 'vernichtet' werden (damit entstehen wiederum potenzielle Objekte) und dass die (vermeintliche) Freiheit, die daraus resultiert, kurzlebig ist. Die Gefühls-Armut aus der Zurichtung der Abhängigen zur Psychogläubigkeit resultiert einerseits aus einer Theoriefeindlichkeit auf Seiten der Therapeuten, die in einem 'gefühlten' und faktischen (akademischen) Defizit zum Ausdruck gelangt, andererseits kommt es auf Seiten der 'Opfer' zur Verödung menschlicher Bedürfnisse etwa in Form einer Übersteigerung des 'Kampfes der Geschlechter'. Menschlichkeit und die Fähigkeit zu lieben erleiden Schiffbruch (lesenswert: Blumenberg, H. Schiffbruch mit Zuschauer. Paradigma einer Daseinsmethaper. Bibliothek Suhrkamp 1263. Frankfurt/Main).
Aktuelle Beiträge zur psychoanalytischen Forschung sind gebündelt in: Leuzinger-Bohleber, M. u. a. (Hg.) (2004): Psychoanalyse als Profession und Wissenschaft. Stuttgart: Kohlhammer. Ein Transfer wissenschaftlich gesicherter Forschungsergebnisse in die therapeutische Praxis steht in Rede.
Der Transfer des elektronischen Publizierens ist ein Anliegen, das ebenfalls in die Richtung der Setzung rationaler Standards zielt (vgl. Zeitschrift für Erziehungswissenschaft Beiheft 4-05 zum Thema »Standards und Standardisierungen«). Auch sei auf zwei Beiträge Ulrich Oevermanns hingewiesen, die die Qualität und Programmatik der Forschung betreffen: »Objektivität des Protokolls und Subjektivität als Forschungsgegenstand« (in: Zeitschrift für qualitative Bildungs-, Beratungs- und Sozialforschung, H. 2., 2004, ISSN 1438-8324, 311-336) und »Die elementare Problematik der Datenlage in der quantifizierenden Bildungs- und Sozialforschung« (in: sozialersinn, H. 3, 2004, 413-476), die insbesondere für die exakte Einschätzung der empirischen Bildungsforschung aufschlussreich sind. Von Bedeutung für das Theorie-Praxis-Seminar in diesem Semester ist die Dissertation von Christa Neuberger »Fallarbeit im Kontext flexibler Hilfen zur Erziehung. Sozialpädagogische Analysen und Perspektiven«, die in dieser Ausgabe von sozialersinn rezensiert wird (530 ff.).
Zum Abschluss: Das »Kaffeetrinken in Organisationen« - ein weiterer Beitrag (507-522) zeigt die Möglichkeiten der Forschung auf zur Beobachtung alltäglicher Routinen und Handlungsmuster. Neben dem Erkenntniswert für die Atmosphäre in einer Einrichtung ist dies angesichts der allgegenwärtigen Klatschinformation und der Zeit- und Realitätsvergessenheit sicher ein erhellendes Unterfangen.
Bauer, P. u. a. (2005): Schulsozialarbeit an berufsbildenden Schulen. Das Thüringer Modell. Freiburg/Br.
Berzbach, F. (2005): Die Ethikfalle. Pädagogische Theorierezeption am Beispiel des Konstruktivismus. Bielefeld.
Bröckling, U. u. a. (2004): Glossar der Gegenwart. Frankfurt/Main. (vgl die Rezension in: ZfE, 8. Jg., H. 2, S. 326-331).
Deinet, U./Sturzenhecker, B. (Hg.) (2005): Handbuch Offene Kinder- und Jugendarbeit. Wiesbaden.
Galiäer, L. (2005): Pädagogische Qualität. Perspektiven der Qualitätsdiskurse über Schule, Soziale Arbeit und Erwachsenenbildung. Weinheim, München.
Geulen, D. (2005): Subjektorientierte Sozialisationstheorie. Sozialisation als Epigenese des Subjekts in Interaktion mit der gesellschaftlichen Umwelt. Weinheim/München.
Gieseke, H. (2005): Wie lernt man Werte? Grundlagen der Sozialerziehung. Weinheim, München.
Göppel, R. (2005): Das Jugendalter. Entwicklungsaufgaben - Entwicklungskrisen - Bewältigungsformen (Pädagogik der Lebensalter, Bd. 4) Stuttgart.
Greifenhagen, S:/Neller, K. (2005): Praxis ohne Theorie? Wiesbaden 2005.
Horster, D./Oelkers, J. (Hg.) (2005): Pädagogik und Ethik. Wiesbaden.
Kuhrau-Neumärker, D. (2005): War das ok? - Moralische Konflikte im Alltag Sozialer Arbeit. Einführung in die Berufsethik. Münster.
Kury, H./Oberfell-Fuchs (Hg.) (2004): Gewalt in der Familie. Für und Wider den Platzverweis. Freiburg/Br.
Müller, B. u. a. (2005): Wahrnehmen können. Jugendarbeit und informelle Bildung. Freiburg/Br.
Thole, W. u. a. (2005): Professionalisierung und Studium. Die hochschulische Qualifikation für die Kinder- und Jugendarbeit. Befunde und Reflexionen. Wiesbaden.
Trautmann, M. (Hg.) (2004): Entwicklungsaufgaben im Bildungsgang. Wiesbaden.
Treml, A. K. (2005): Pädagogische Ideengeschichte. Ein Überblick. Stuttgart.
Neue Bücher - kurz vorgestellt (Sommersemester 2005)
In der philosophischen Moderne ist das Thema des aufmerksamen Sehens und des sensiblen Umgangs mit Menschen in der Achtung des Gegenüber seit der antiken Philosophie kultiviert worden. Wie die Ordnung der Begriffswelt in den Akademien entsteht, zeigt u. a. HEINRICH NIEHUES-PRÖBSTING: Die antike Philosophie. S. Fischer, Frankfurt/M. 282 S. 10,90 €. Dieses Werk ist angesichts der menschlichen und theoretischen Verwahrlosung, die aktuell in der kurzfristigen Verwertung von Person und Theorie allenthalben aufscheint, die nicht dem ›Weltbesten‹ (KANT) sondern dem Egobesten dient, bedeutsam.
Der Ethnologe WOLFGANG KASCHUBA: Die Überwindung der Distanz. S. Fischer 282 S. 10,90 € zeigt die grundlegende Veränderung von Zeit und Raum auf - die auf die mangelhafte Wahrung des Menschlichen, die der Verwahrlosung vorausgeht, verweist - indem er die Technikfolgen in der Dynamik der modernen Welt und die daraus resultierende Psychodynamik einer "segmenthaften Nervosität" erkennbar werden lässt. Beispiele: schnelles Essen und Leben, Handy und e-mail-Bemächtigung.
Die Verflachung der Aufmerksamkeit und der Mitmenschlichkeit als Sprach-, Erfahrungs- und Vertrauensarmut wird ebenso sichtbar bei BERNHARD WALDENFELS: Phänomenologie der Aufmerksamkeit. Suhrkamp, Frankfurt/M. 304 S. 11€. Dieser verweist auf die Erziehung zum Sehen! Eminent wichtig, um die verflachende Romanspannung zu entlarven, die Inhalte vergessen lässt - zugunsten fiktiver Welten, in die sich gern der Realitätsflüchtling verliert.
Alte und neu entdeckte Wahrheiten der Schulpädagogik lassen dieses Phänomen besser begreifen, wie dies meisterhaft von GEORG SIMMEL: Postume Veröffentlichungen. Schulpädagogik. Suhrkamp, Frankfurt/M. in Erinnerung gerufen wird. Das Verdösen des Unterrichts, die Realitätsflucht in den romanhaften Rausch fiktiver Welten und die Zerrissenheit und Hektik des modernen Menschen all dies sind Phänomene, die einen von 'Zeitoasen' und 'Oasen der Menschlichkeit' träumen lassen oder aber den strukturellen Optimismus unserer Profession entfachen helfen, auch wenn mit Heiner Müller gilt: 'Das Leben stört natürlich ständig'. Dem steht die »Macht des Wortes« (OTTO FRIEDRICH BOLLNOW) und die 'Macht des Augenblicks' (FRIEDRICH SCHILLER) entgegen. Insgesamt notwendig: Andreas Brenner/Jörg Zirfas: Lexikon der Lebenskunst, Reclam, die mit SENECA zeigen: »Weise Lebensführung gelingt keinem Menschen durch Zufall. Man muss, solange man lebt, lernen, wie man leben soll«.
Klaus Kraimer im Juni 2005
Sommerlektüre 2005
Bourdieu, P. (2004): Über das Fernsehen. Frankfurt/Main: Suhrkamp.
